WER GLAUBT WIRD SELIG?

Geschrieben von Simone Janssen am 27.09.2011

„Den richtigen Partner kann man sich nicht backen“ und „den perfekten Menschen gibt es sowieso nicht“. Lebensweisheiten unserer Mütter. Mit ihnen sind wir aufgewachsen, sie haben unsere Einstellung zur Liebe und zum anderen Geschlecht mitgeprägt. Auch wenn sie uns nicht mehr unmittelbar im Ohr klingen, liegen sie wie ein Schatten auf unseren Vorstellungen und Überzeugungen.

Wir glauben an das, was uns richtig und logisch erscheint. Damit schaffen wir unsere eigenen Wahrheiten, in ihnen fühlen wir uns wohl. Überzeugungen schaffen ein Gefühl von Sicherheit, sie geben uns Halt. Diese „persönlichen Wahrheiten“ nennt man Glaubenssätze, sie können sowohl positiv als auch negativ sein. Sie prägen unser Denken, Handeln und Fühlen. Glaubenssätze entstehen entweder aus unseren eigenen Überzeugungen und Erfahrungen oder werden von außen an uns herangetragen. Erscheinen sie uns akzeptabel, übernehmen wir sie in unseren Wertekatalog.

Dabei übersehen wir oft, dass Glaubenssätze immer nur eine Sicht der Dinge widerspiegeln und nicht etwa die Wahrheit.

Besonders in der Partnersuche können festgesetzte Glaubenssätze im Weg stehen. Lässt sich der Partnersuchende zu sehr von positiven Vorstellungen leiten, wird er keine realistische Perspektive auf sein Gegenüber bekommen. Vielmehr neigt er dann dazu, die sich neu entwickelnde Beziehung zu idealisieren. Negative Glaubenssätze verstricken uns schon von vorneherein in ein Netz aus Pessimismus und Skepsis. Keine gute Voraussetzung für einen positiven Start in eine neue Bekanntschaft.

Weit verbreitete Glaubenssätze sind z.B.:

- Frauen können nicht sachlich bleiben
- Ich bin zu dick und deswegen liebt mich niemand
- Männer wollen immer nur das Eine
- Ab fünfzig findet man keinen neuen Partner mehr

Glaubenssätze sind häufig Verallgemeinerungen oder in Sprichworte kanalisierte Lebensweisheiten, die selten auf den Einzelfall zutreffen – uns dafür aber im Allgemeinen das Leben eher schwerer machen als es zu erleichtern. Je nachdem wie wir uns von diesen negativen Glaubenssätzen leiten lassen, verschließen wir uns vor der Möglichkeit, im praktischen Leben vielleicht viel positivere Erfahrungen zu machen.

Glaubenssätze tragen mehr Kraft in sich als man das den harmlos aussehenden „Weisheiten“ zutrauen würde. In unserem Unterbewusstsein arbeiten Glaubenssätze weiter, obwohl wir bewusst nicht permanent an sie denken oder nach ihnen leben. Sicher kennen Sie auch selbst oder aus dem Bekanntenkreis das Phänomen, dass man immer genau das anzieht, von dem man überzeugt ist:

- Da wird genau dem Mitarbeiter gekündigt, der schon immer gesagt hat, dass es ihn als Erstes treffen wird, wenn Stellen abgebaut werden.
- Da lernt genau die Frau, die überzeugt davon ist, dass kein Mann es ernst mit ihr meint, immer nur solche Männer kennen, die tatsächlich keine ehrlichen Absichten haben.
- Ein Mann, der schlechte Erfahrungen mit einem bestimmten Typ Frau gemacht hat, scheitert auch ein zweites Mal wieder an denselben Beziehungsproblemen.

Unbewusst leiten die Glaubenssätze unser Verhalten und unsere Sicht der Dinge auf der Suche nach vertrauten Strukturen. Darauf reagiert unsere Umwelt – und im Endeffekt tritt ein, was wir schon immer befürchtet hatten.
Viele Menschen erkennen den Grund für ihr permanentes Scheitern in ein und demselben Punkt nicht. Sie leben so tief in ihren eigenen Überzeugungen, dass sie keinen Blick mehr für andere Lebensformen haben.

Was tun?

Ein einfaches Mittel, sich aus seinen Glaubenssätzen herauszuholen ist, sich ihrer bewusst zu werden und sie anschließend zu hinterfragen. Hinterfragen heißt in diesem Sinne, sie keinesfalls kategorisch aufzugeben. Viele Glaubenssätze haben einen sehr positiven Hintergrund, der soll Ihnen nicht genommen werden.

1. Ein einfaches Hinterfragen beginnt schon mit der Beobachtung des eigenen Sprachgebrauchs:

- Nutzen Sie oft Wendungen wie „man macht“, „man sollte“? Oder gerne verallgemeinernde Wörter wie „immer“ oder „alle“? Hinter ihnen verbergen sich oft Glaubenssätze.
- Nehmen Sie Ihre eigenen Gedanken wahr, wenn jemand anderes seine Meinung äußert. Stimmen Sie überein oder nicht? Analysieren Sie!

2. Schreiben Sie Ihre neuen Erkenntnisse auf! Sie können schon einmal beginnen, indem Sie die unten stehenden Satzanfänge ganz spontan vervollständigen:

- Immer …
- Alles …
- Jeder …
- Grundsätzlich …

3. Welche Sätze von Personen, die Sie besonders geprägt haben, sitzen noch heute in Ihnen fest?

- Der wichtigste Satz meiner Kindheit war …
- Mein Vater sagte immer:
- Meine Mutter sagte häufig:
- Mein Lehrer war der Meinung, dass …
- Eine Lehre, die ich nie vergessen werde …
- Etwas, das ich nie wahrhaben wollte war, ….

4. Jetzt überlegen Sie sich am besten in einer ruhigen Minute, ob der jeweilige Satz
- Sinn für Sie macht?
- Ihr Leben erleichtert?
- Sie glücklich oder zufrieden macht?
- Warum er Sie prägt, auch wenn er negativ ist

5. Fallen Ihnen bessere Überzeugungen ein, als die Thesen anderer Menschen? Schreiben Sie sie auf!

Wenn Sie mehr über das Thema Glaubenssätze erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen, einmal die Internetseite „Zeit zu leben“ zu besuchen. Die Autoren haben viele nützliche Tipps und Anregungen zusammengetragen, wie man sich mit einfachen Mitteln das Leben nicht ganz so schwer machen braucht!

 

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