„Er, Mitte sechzig, verwitwet und ohne Altlasten …“
So oder so ähnlich lauten die geflügelten Worte der Kontaktanzeigen. „Altlastenfrei“ strahlt Beruhigung aus, verspricht der Begriff doch wenig neurotische, nicht therapiebedürftige Partnersuchende, die offen und frei für eine neue Partnerschaft sind. Ab einem gewissen Alter sind unsere vermeintlich neuen Partner jedoch immer „second hand“ und werden bereits die ein oder andere längere Partnerschaft hinter sich haben. Ist die Angst vor dem Menschen mit Altlasten überhaupt begründet?
Menschen sind immer das Produkt ihrer gemachten Erfahrungen. Sie prägen uns und unser Verhalten. Warum also die Erfahrungswerte des Menschen, den wir gerade kennen lernen nicht einfach als etwas Positives begreifen?
Letztlich tragen wir alle unsere „Altlasten“ mit uns herum. Das positive an unserem liberalen Zeitalter ist ja gerade, dass man sich aus unglücklichen Beziehungen befreien kann. Wir haben das Recht zu gehen, es ist kein gesellschaftlicher Makel mehr, geschieden oder getrennt zu sein. Damit ist natürlich nicht das Gutheißen übereilter Trennungsaktionen zu verstehen. Sie verlaufen selten sozialverträglich für den Verlassenen und hinterlassen Narben auf beiden Seiten.
Die Rede ist von der gut überlegten Trennung am Ende einer „toten“ Beziehung. Manchmal gibt es eben nichts mehr zu retten und dann ist es besser, zu gehen. Unsere Mütter nannten es das „Ende mit Schrecken als den Schrecken ohne Ende“. Das heißt nicht, dass in der nächsten Partnerschaft alles wieder gleich laufen muss und auch nicht, dass die- oder derjenige Fehler gemacht hat, aus denen er nicht lernen könnte. Manchmal passt es eben einfach nicht.
In der Liebe ist positives Denken die beste Medizin für langes Glück. Versuchen Sie, Eigenschaften, die ein neuer Mensch mit in Ihr Leben bringt als Chance zu verstehen, statt sie negativ zu bewerten. Die vermeintlichen Altlasten sind in Wahrheit wertvolle Lebenserfahrung. Durch sie wachsen wir.
Ihre Simone Janssen
