„Wie kurz darf die Trauerzeit sein?“

Geschrieben von Simone Janssen am 02.12.2009

Diese Frage stand gestern in großen Lettern im Kölner Express. Es ging um die Hochzeit des Politikers, Witwers, des Menschen Franz Müntefering. Eine ganze Nation regt sich darüber auf, dass Müntefering nur ein paar Monate nach dem Tod seiner Frau wieder heiratet. Darf er das? Ich sage: Ja!

Häufig erlebe ich verwitwete Menschen in meinem Institut, Wir 2 Partnertreff, die einfach ein schlechtes Gewissen haben, sich neu zu verlieben. Das schlechte Gewissen haben sie aber nicht ihren verstorbenen Partner gegenüber, sondern sie denken dabei an die Kinder, Nachbarn, Freunde. Ich kenne Menschen, die ihre „neue Liebe“ geheim halten, aus Angst davor, was die Mitmenschen darüber denken.
Wie lange muss man denn trauern? Das sollte jeder Mensch ganz für sich selbst entscheiden. Stirbt der geliebte Partner plötzlich und unerwartet, kann der Trauerprozess vielleicht länger dauern, ist es ein Abschied über Jahre braucht die Ablösung möglicherweise weniger Zeit. Meine Erfahrung ist, dass Menschen, die in einer glücklichen Partnerschaft gelebt haben, viel schneller den Wunsch verspüren, wieder eine neue Beziehung einzugehen.
Müssen wir also ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir uns wünschen, nicht allein zu sein, sondern das Leben zu genießen – in Zweisamkeit und Nähe? Ich sage: Nein! Wir haben nur dieses eine Leben und sollten das Beste daraus machen – jeden Tag. Die Vergangenheit können wir nicht mehr ändern, aber die Zukunft, die liegt in unseren Händen.

Ihre Simone Janssen
Wir2 Partnertreff

 

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